Die Identitätskrise von Assassins Creed und dessen Potenzial! | Gedankenspiel

Assassins Creed gehört zu meinen liebsten Spielereihen und das trotz vieler Dinge, die ich am Franchise auszusetzen habe. Mit der Kritik einer fehlenden Identität bin ich nicht allein und der Ursprung dieses Arguments liegt in der Vielfalt der Spielmechaniken der Serie.

Von Assassins Creed 1 – 3 (inkl. Brotherhood & Revelations) war die Serie den Action-Adventures mit relativ hohen Stealth-Mechaniken zuzuordnen. Ab Teil 4 Black Flag ändert sich das Kerngameplay und die in Teil 3, als optionale Nebenbeschäftigung, eingeführten Schifssmissionen standen plötzlich im Fokus des Gameplay, wobei versucht wurde, traditionelle Elemente beizubehalten. In AC Rogue wurde dieser Mix dann noch weiter verfeinert.

Was ebenfalls mit Rogue und dem simultan erschienenen Unity eingeführt wurde, ist das Ende der traditionellen Zählung der Reihe (Brotherhood & Revelations sind Spin-offs zum zweiten Teil). In Unity wurde wieder auf ein klassischeres aber modernisiertes Gameplay gesetzt. Weg mit den Schiffen und zurück zum Klettern über Dächern, schleichen durch die Gassen und dem Aufbau einer Assassinengilde. Ja das gabs auch in den beiden Vorgängerspielen, aber dort war auch der erwähnte Mix vorhanden.

Mit Snydicate wurde das Gameplay weiter modernisiert und durch Elemente ergänzt, welche mit der Handlung arbeiten sollen, aber eher belanglos waren am Ende. Handlung ist das perfekte Stichwort.

Erzählerisch hat sich Assassins Creed seit dem ersten Teil kaum verändert. Das Setting, die Charaktere und die Rahmenhandlung wurden zwar fortgesetzt, ausgetauscht, erweitert und/oder erneuert, aber im Kern bleiben die Spielen bei klassischen Rache-, oder Abenteuergeschichten.

Der große Kampf zwischen Templer und Assassinen über die Jahrhunderte hinweg wird auch in den neuen Ablegern ab Origins genutzt, ist allerdings dem Plot des jeweiligen Spiels untergeordnet. Gleiches gilt für die gottgleiche Rasse der Altvorderen, welche ab Origins aktiver werden und in den Teilen davor passiv waren, oder gar nicht auftauchten.

Mit Assassins Creed Origins änderte sich abermals die Reihe und das Gameplay. Aus den Stealth-Action-Adventures mit offener Spielwelt zu Land und zur See wurden Open-World-Action-RPG‘s mit einer gewaltigen Frischzellenkur in allen Aspekten. Die Story, sowohl innerhalb der Szenarien, als auch in der realen Welt, wurde angepasst (das Thema Rache bleibt vorhanden ist aber nicht mehr zentral) und der Kampf zwischen Gut & Böse nun wesentlich stärker ins Gameplay implementiert.

Dies führt zu intensiveren Erkundungen der Spielwelten um die einzelnen Mitlgieder des Ordens aka die Bösen zu finden. Generell legen die Welten mit Haupt- & Nebenquests einen stärkeren Rollenspielfokus an den Tag, aber das tut, wie bereits erwähnt, dem Blog gut.

Jetzt kann man sich fragen, worauf ich eigentlich hinaus will und das erkläre ich euch in den nächsten Absätzen. Wie man bereits rauslesen konnte, ist die Assassins Creed Spielreihe extrem facettenreich, hat sich aber durch seine zahlreichen Miniserien im Gameplay komplett verlaufen. Somit stellt sich die Frage, was ein klassisches Assassins Creed ausmacht und das lässt sich nicht mehr so leicht beantworten, da jeder Typ Fan was anderes sagen wird.

Daraus resultiert die Problematik, dass jedes neue Assassins Creed einen gewissen Teil der Fans enttäuschen wird, andere dafür begeistert und neue Fans aufnimmt. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass das Assassins Creed Franchise einen seltenen Vorteil hat, wie es beispielsweise auch bei Resident Evil der Fall ist.

Assassins Creed kann sich jederzeit selbst neu und dabei eine Zielgruppe finden. Egal, welcher Weg eingeschlagen wird, mit der etablierten Form finden sich immer Käufer, aber auch eine weitere Neuausrichtung wird bestimmt genug Anklang finden, um die Existenz einer neuen Formel zu rechtfertigen.

Abschließend kann man sagen, dass der Werdegang von Assassins Creed bisher sehr spannend war und man mit relativ hohen Erwartungen in die Zukunft des Franchise blicken kann. Mir persönlich hat Assassins Creed Valhalla (in dem ich zum Zeitpunkt dieses Beitrags mittendrinnen stecke) gezeigt, wie viel Potenzial in der Reihe steckt, auch wenn die ursprüngliche Identität nicht mehr wirklich vorhanden ist.

Egal ob Open-World-RPG, oder Open-World-Stealth-Adventure (mit oder ohne Schiffen), ich mag Assassins Creed. Die Teile bis Rogue haben mich durchgehend gut unterhalten, dann kam ein kleiner Absturz, aber mit Origins gings wieder bergauf, bis Odyssey mir gezeigt hat, wie es nicht geht, aber Valhalla macht wieder vieles richtig. Es kombiniert sogar sehr viele Elemente aus allen möglichen Teilen, die ich mag, aber das wird ein Thema für einen Podcast!

Das wars von meiner Seite. Wir lesen uns im nächsten Beitrag!

Autor: DerStigler

Zwischen Videospielen, Filmen, Büchern, Katzen und einem aufregenden Leben.

3 Kommentare zu „Die Identitätskrise von Assassins Creed und dessen Potenzial! | Gedankenspiel“

  1. Die Spielmechanik ist ein Aspekt, die Erzählung ist ein anderer. Ich habe von den neueren Assassin’s-Creed-Spielen, also ab Unity, noch keines gespielt (allerdings hole ich derzeit gerade Rogue nach). Soweit ich das allerdings mitbekommen habe (und wie du ja auch schreibst), spielt der Kampf zwischen Assassinen und Templern nicht mehr die zentrale Rolle wie früher. Ist auch nicht verwunderlich, nachdem Gut und Böse in AC Rogue ohnehin bis zur Unterscheidungslosigkeit relativiert wurden.

    Ich frage mich, was ist der Wesenskern der Reihe in Hinblick auf Story und Setting? Geht es in Assassin’s Creed nur noch darum, eine personifizierte Machtfantasie in ein für möglichst viele Spieler attraktives Setting zu verfrachten? Damals, als die Reihe noch neu war, definierte Ubisoft das Wesen von Assassin’s Creed einmal wie folgt: „Our brand is a method of explaining world history through conspiracy.“ Nun werden Verschwörungstheorien (selbst die offensichtlich fiktionalen) heutzutage viel kritischer gesehen werden als in den 2000ern, wo sie auch durch die Dan-Brown-Romane (und Filme) auf dem Höhepunkt ihrer Popularität waren. Entsprechend habe ich den Eindruck, dass das auch in Assassin’s Creed in den Hintergrund getreten ist, oder täusche ich mich?

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    1. Also zuerst danke für deinen gehaltvollen Kommentar.

      AC Rogue nimmt ja sowieso eine Sonderrolle im Franchise ein wobei der Existenzgrund von dem Spiel wohl rein wirtschaftlicher Natur ist und nur sekundär für die Erzählung nötig ist, auch wenn der Teil die Neue Welt Saga abschließt.

      Wenn man die realen Assassinen einbezieht macht eigentlich nur Teil 1 wirklich Sinn, da man ab Teil 2 mit Leichtigkeit das Assassins Creed weglassen könnte und die Ezio Saga ohne den zusammenhängenden Plot erzählen könnte. Der Kampf zwischen Gut & Böse wird ab Teil 2 (fast) durchgehend von Rachegeschichten getragen.

      Auf deine zweite Frage kann man mit „Ja“ antworten, da die Settings offenbar nur noch so ausgewählt werden, was eben gerade populär ist. AC Valhalla ist das beste Beispiel. Für die Serie an sich hat das Spiel keinen Mehrwert und könnte als Valhalla komplett losgelöst für sich stehen aber Vikings ist ja sehr populär …

      Die Reihe sollte entweder einige Jahre pausieren oder sich soweit neu erfinden und losgelöst Abenteuer im eigenen Kosmos erzählen. Die könnten dann „An Assassins Story“ oder ähnlich betitelt werden. Hat bei Star Wars ja auch einmal sehr gut funktioniert.

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      1. Wo du schon „Neue-Welt-Saga“ sagst, den „scope“ dessen, was Ubisoft von AC III bis Rogue ausgebreitet hat, finde ich ja nach wie vor sehr faszinierend (Freedom Cry und Liberation eingeschlossen). Klar hat das auch wirtschaftliche Gründe (Asset-Recycling, etc.). Aber schon ambitioniert, wie da die Geschichte eines Kontinents aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt wurde. Da wirkt es dann ganz schön unfokussiert, wie Ubisoft in der Folge von einem Setting ins nächste springt. Okay, Paris und London sind nicht soooo weit auseinander, wie auch Ägypten und Griechenland zusammenpassen. Aber da fand sich AC halt auch gerade in einer spielmechanischen Selbstfindungsphase, weshalb ich Origins und Odyssee nicht wirklich als eine Saga betrachten kann. Mit dem Verzicht auf einem Rom-Spiel (was ich mir gut als Höhepunkt der kommenden Konsolengeneration hätte vorstellen können, falls Ubisoft nicht vollkommen den Turn in Richtung Game-as-a-Service vollzieht), hat man die Chance auf eine runde Mittelalter-Saga aber eh vertan. Und Valhalla setzt halt so sehr auf dem Wikinger-Hype auf, dass ich da wenig Chancen auf eine damit verknüpfte Fortsetzung sehe. Aber Mensch, wie cool das wäre, ein AC in der Spätzeit des Römischen Reiches, in dem man nicht einen Römer, sondern einen Germanen spielt! Das hat so viel Potential, ist für das Franchise in seiner heutigen Form aber offenbar zu nischig.

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