Watchmen (Ultimate Cut) | Gedankenspiel [Kultfilm #7]

Titel: Watchmen – Die Wächter
Originaltitel: Watchmen
Regie: Zack Snyder
Laufzeit: 215 Minuten (Ultimate Cut)
Release: 2009

Über Watchmen möchte ich schon seit langer Zeit etwas schreiben. Leider (oder zum Glück) hat sich der Beitrag immer wieder verschoben, bis es nun ein Special zu Watchmen – Doomsday Clock gibt.

In diesem vorletzten Beitrag widme ich mich dem Film, bevor wir in einem großen Podcast über das Doomsday Clock Event sprechen!


Kultfilme Übersichtsseite


Die Handlung von Watchmen spielt in einer Parallelwelt im Jahr 1985. Einer der gravierendsten Unterschiede ist das Auftauchen der vigilanten Minutemen, sowie der Nachfolger den Watchmen. Weiters ist Richard Nixon bereits in seiner Amtszeit und die USA haben den Vietnamkrieg dank Dr. Manhatten, dem mächtigsten Wesen der Welt, gewonnen. Okay da weitere abgewandelte historische Ereignisse im Vorspann genannt werden, pausiere ich hier und konzentriere mich grob auf das Szenario, denn das Watchmen Universum ist ziemlich komplex, wie man es von DC Comics gewohnt ist.

Die ersten maskierten Helden der Welt tauchen Ende der 1930er Jahre auf und schließen sich später zu den Minutemen zusammen. Diese Helden haben keine Superkräfte, sondern sind maskierte Kreuzritter, quasi wie Batman. Bis in die 1950er Jahre werden die meisten von ihnen freiwillig und oder unfreiwillig in den Ruhestand geschickt. Jahre später bilden sich die Watchmen, die Nachfolger der Minutemen, und kämpfen erneut für Gerechtigkeit. Wegen ihrer brutalen Selbstjustiz werden die Watchmen und Vigilanten/Superhelden im allgemeinen verboten. Einzig der Comedian, welcher für die Regierung arbeitet, und Ozymandias bestehen weiterhin. Letzterer hat aus sich und den Watchmen eine Marke gemacht und verdient viel Geld mit Merchandise. So zurück zur Handlung (hoffentlich mit wenig Spoiler!).

Wir schreiben das Jahr 1985. Edward Blake aka der Comedian, ein Superheld der ersten Stunde und ein Agent der Regierung, wird in seiner Wohnung überfallen und brutal ermordet. Der Vigilant Rohrschach vermutet hinter dem Attentat auf den Comedian eine große Verschwörung, die auch auf die restlichen Superhelden abzielt und beginnt mit seinen Nachforschungen. Mit seinen ehemaligen Kollegen, Dr. Manhatten, Silk Specter II und Nightowl gestaltet sich die Zusammenarbeit schwerer als erwartet, da bis auf Dr. Manhatten alle im „Ruhestand“ sind. Letztgenannter arbeitet zusammen mit Ozymandias daran, alle Kriege der Welt zu beenden und ein Utopia zu erschaffen. Als auf Ozymandias ein Attentat verübt und Jon (Dr. Manhatten) wegen eines Skandals auf den Mars und Rohrschach in eine Falle gelockt wird, kehren Nightowl, sowie Silk Specter II in den aktiven Dienst zurück, um die Verschwörung aufzudecken. Soweit zur Handlung des Films, wobei das nur eine ganz grobe Zusammenfassung des Epos ist. Über die gigantische Laufzeit von 215 Minuten wird nicht nur eine große Geschichte erzählt, sondern auch die Figuren weiter vertieft, wobei besonders Jon Osterman (Dr. Manhatten), Rohrschach und Ozymandias im Fokus stehen, aber auch Nightowl und Silk Spectre II bekommen mehr als genug Screentime.

Eine der größten Stärken des Films ist die Inszenierung der Welt, des Szenarios und der Figuren. Man merkt ganz klar, dass Watchmen kein Superheldenfilm ist, sondern ein Thriller mit Elementen des Dramas, in einer Welt, die von ehemaligen Helden bevölkert wird, von denen einer quasi Gott geworden ist, da es niemanden gibt, der Dr. Manhatten aufhalten könnte, falls sich dieser entschließen sollte, die Welt enden zu lassen. Ich schätze das düstere, dreckige Setting von Watchmen sehr, da sich der Film stark von anderen Comicverfilmungen abhebt und auch in der heutigen Zeit höchstens mit Logan, Deadpool 2, Avengers 3 & 4 Genrekollegen mit einem ähnlich düsteren Setting aufweist. Wobei von den genannten Beispielen eigentlich nur Logan an Watchmen heranreichen kann, da besonders dieser Film mit dem Road-Movie-Drama Mix am ehesten die beklemmende Atmosphäre widerspiegeln kann. Atmosphäre ist das Stichwort, da diese bei Watchmen extrem dicht ist und die globale Stimmung mitten im, kurz vor der Eskalation stehenden, Kalten Krieg perfekt von den düsteren Figuren wiedergegeben wird.

Dies macht sich auch in den zahlreichen Actionszenen bemerkbar, die überraschend brutal ausfallen, aber die Gewalt nicht zelebrieren, sondern daraus ein ästhetisches Stilmittel machen, um die offenkundig harte Vorgehensweise der ehemaligen Watchmen gegenüber Kriminellen zu rechtfertigen. Rohrschach, der durch traumatische Erlebnis zum knallharten Vigilanten wurde, kann inzwischen nicht mehr anders, als mit äußerster Härte gegen die Kriminellen zu kämpfen. Gleichzeitig ist Dr. Manhatten durch seine Fähigkeiten völlig losgelöst von allen weltlichen Dingen und hat keine wirkliche Bindung zur Welt, bis auf seine Lebensgefährtin. Das sind aber nur zwei Beispiele für das Verhalten der Figuren und der Begründung, warum diese so kalt agieren.

Was ebenfalls für den Film spricht, ist die Demontage des Gut-Böse-Schemas und einer klaren Identifikationsfigur. Rohrschach ist der Erzähler des Films, allerdings fällt es sehr schwer, sich mit ihm, oder einer der anderen Figuren verbunden zu fühlen. Selbst die großzügige Screentime, in der die Figuren viel Tiefgang bekommen, macht es nicht leichter, sich mit einer von ihnen verbunden zu fühlen, oder sich gar mit einem von ihnen zu identifizieren. Auch gibt es in Watchmen weder Helden noch Schurken. Wie in der Realität ist niemand nur böse oder nur gut, sondern eine Mischung aus beidem. Der Dualismus wird auch in diesem Film stark thematisiert, da jede Figur auf beiden Seiten agiert, was erneut Spielraum zur Spekulation einräumt.

Ich könnte noch seitenlang über diesen Film schreiben und mich in zahllosen Details verlieren, aber da dies wohl arg übertrieben wäre, komme ich zum Fazit. Watchmen ist, egal ob im Directors, oder Ultimate Cut, schwere Filmkost, die definitiv nicht für jeden ausgelegt ist und sich klar an eine ältere Zielgruppe richtet. Dies wird besonders im Ultimate Cut klar, der einen Nebenstrang über einen morbiden Piraten-Comic enthält, der nichts zur Handlung beiträgt, aber den Comic-Trend dieser Welt widerspiegelt, sowie viele weitere Szenen massiv vertieft, was sich auf alle grundlegenden Komponenten des Films (Handlung, Setting, Figuren, Dialoge) auswirkt.

Ich kann vor Zack Snyder nur meinen Hut ziehen, da dieser Film bis heute einzigartig im Genre Comicverfilmung ist und hervorragend aufzeigt, dass man durchaus Comics so verfilmen kann, dass sie sich speziell an eine erwachsene Zuschauerschaft richten können.

Für Watchmen kann ich nur eine klare Empfehlung aussprechen und besonders für den Ultimate Cut, da dieser, trotz seiner enormen Laufzeit, ein einmaliges Erlebnis im Genre Comicverfilmung bietet, den Zuseher in eine düstere, dreckige Welt entführt und dabei ein gigantisches Epos erzählt.

Das wars von meiner Seite. Wir lesen uns im nächsten Beitrag!


Danke an die Unterstützer & Patroni von DerStigler: Hexe, Pitter, JamesVermont

Mein Nachbar Totoro | Gedankenspiel [Kultfilm #6]

Titel: Mein Nachbar Totoro
Originaltitel: となりのトトロ
Regie: Hayao Miazaki
Laufzeit: 86 Minuten
Release: 1988

Eigentlich könnte ich fast alle Filme von Studio Ghibli in dieses Format packen aber ich will mich im Endeffekt, auf die drei beschränken, die wohl den größten Impakt ausgelöst haben. Dies wären Chihiros Reise ins Zauberland, Nausicaä aus dem Tal der Winde und der heute thematisierte Mein Nachbar Totoro aus dem fernen Jahr 1988.


Kultfilm Übersichtsseite


Professor Tatsuo Kusabake zieht im Jahr 1958 mit seinen beiden Töchtern, Satsuki und Mei, aufs Land damit die Familie bei der Mutter der Kinder sein kann, die sich in einem Krankenhaus erholt. Nachdem sich die Familie eingelebt hat lernen die beiden Geschwister nacheinander den Waldgeist Totoro kennen und entdecken Rußmännchen (kleine Kamingeister) im Haus. Als die Familie nach einiger Zeit ein Telegramm erreicht, dass die Mutter doch nicht wie geplant das Krankenhaus verlassen darf, bricht für die Geschwister ihre Welt zusammen und Mei möchte ihre Mutter mit besonderem Gemüse, dass jeden der es isst, schnell wieder gesund werden lässt, besuchen. Alleine macht sie sich auf dem Weg ins Krankenhaus und Satsuki bittet Totoro um Hilfe, damit sie ihre Schwester wieder finden kann …


Vor seiner Veröffentlichung als finanzielles Risiko angesehen erwies sich Mein Nachbar Totoro kurz nach seiner Premiere bereits als sehr erfolgreich und hat sich bis heute einen sehr guten Ruf aufgebaut, dem der viel mehr als gerecht wird. Mein Nachbar Totoro ist der klassische japanische Kinderfilm schlecht hin und hat, wie so viele andere Werke von Studio Ghibli einen zeitlosen Stil, der ihn für so ziemlich jede Generation von Zusehern zugänglich macht. Durch seine geradlinige Erzählung, seiner gefühlvollen Schilderung der kindlichen Erlebniswelt und den herzerweichenden Figuren ist Mein Nachbar Totoro nicht nur für Kinder, sondern für Leute jeder Altersgruppe geeignet die entwaffnende, liebevolle Atmosphäre des Films die eigenen Kindheitstage wieder aufleben lässt.

Mein Nachbar Totoro schafft es gekonnt eine reale und eine fantastische Welt zu kombinieren und dabei japanische Traditionen einfließen zu lassen, was ein tiefgreifenderes Verständnis für die japanische Kultur ermöglicht aber auch das ländliche Leben in Japan beleuchtet.

Diese liebevolle und gleichzeitig friedliche Atmosphäre wird durch einen ebenso liebevollen, wie wunderschönen Soundtrack unterstrichen für den sich der großartige Joe Hisaishi auszeichnet, dessen vielfältiges Werk prägend ist für eine lange Ära in der Studio Ghibli Filmografie.


Am Ende des Tages Mein Nachbar Totoro vielleicht etwas untergehen im Vergleich zu den großen, epischen Werken wie Chihiros Reise ins Zauberland, Prinzession Mononoke, Das wandelnde Schloss oder das Schloss im Himmel aber manchmal reicht es bereits aus, wenn man keine epische, aber dafür eine herzerweichende Geschichte über zwei Geschwister erzählt, deren größter Wunsch es ist, dass ihre Mutter bald wieder gesund wird und sie von einem freundlichen Waldgeist Hilfe bekommen. Die Stärken von Mein Nachbar Totoro liegen klar auf der Hand und man merkt sehr deutlich, wie viel Liebe in diesem Film steckt der, wie auch seine „Kollegen“, generations- und altersübergreifend für jede Zielgruppe geeignet ist. Mein Nachbar Totoro ist das perfekte Beispiel dafür wie zeitlos ein Kinderfilm sein kann, der auch gleichermaßen eine lehrreiche Funktion einnimmt und spielerisch die japanische Kultur, Lebensweise und die Shinto-Religion näher bringt.

Ich kann diesen Film jedem empfehlen der oder die Interesse an einem klassischen japanischen Kinderfilm hat, der zwar Zuckerguss bietet, aber dabei gleichzeitig so unfassbar liebenswert ist.

Das wars von meiner Seite. Wir lesen uns im nächsten Beitrag!


Danke an die Unterstützer & Patroni von DerStigler: Hexe, Pitter, JamesVermont

Chihiros Reise ins Zauberland | Gedankenspiel [Kultfilm #5]

Titel: Chihiros Reise ins Zauberland
Originaltitel: 千と千尋の神隠し
Regie: Hayao Miazaki
Laufzeit: 125 Minuten
Release: 2001

Nach einer (erneuten) viel zu langen Pause meldet sich das Format Kultfilm zurück, dafür aber mit einigen Kandidaten in Planung. Heute geht es um den wohl besten Anime aller Zeiten und eines der Aushängeschilder des legendendären Studio Ghibli.

Chihiros Reise ins Zauberland erschien im Jahr 2001 und gilt bis heute als einer der besten Animes aller Zeiten. Zugleich ist er der am höchsten ausgezeichnete Anime aller Zeiten, sowie auf Platz 2 der japanischen Animationsfilme nach Your Name.


Kultfilm Übersichtsseite!

Anime Offensive 2020


Im Zentrum der Handlung steht die 10 jährige Chihiro, welche mit ihren Eltern in eine andere Stadt zieht. Auf dem Weg verfahren sie sich und entdecken einen alten, verlassenen Vergnügungspark. Sie beginnen den Ort zu Dritt zu erkunden und während Chihiros Eltern unerlaubterweise in einem Restaurant wie Schweine essen, trifft unsere Protagonistin auf den mysteriösen Haku, der sie dazu antreibt, den Ort vor Einbruch der Dunkelheit zu verlassen. Chihiros Eltern haben sich jedoch in Schweine verwandelt und auf ihrer Flucht kommt sie ins Badehaus der Hexe Yubaba, welche selbiges für die Götter und Wesen des Shinto betreibt. Mit Hilfe der beiden Mitarbeiter Kamaji und Lin erhält Chihiro eine Anstellung im Badehaus, verliert jedoch ihren Namen an die Hexe. Unter dem neuen Namen Sen muss Chihiro einen Weg finden, die Macht der Hexe über sie zu brechen, ihre Eltern zu retten, Haku zu befreien und gleichzeitig ihren eigenen Namen nicht zu vergessen …


Chihiros Reise ins Zauberland ist ein wunderschönes Märchen, das den Zuseher tief in die Welt der japanischen Phantastik entführt und dabei stark mit der japanischen Mythologie spielt, was aber nicht befremdlich für westliche Sehgewohnheiten wirkt. Der Film hat sogar diverse Anleihen an Alice im Wunderland. Ein junges Mädchen gerät durch einen Tunnel (Hasenbau) in ein Wunderland und muss sich mit den dortigen Bewohnern auseinandersetzen, die sowohl freundlich, als auch bösartig sein können.

Neben den japanischen Fabelwesen werden auch Elemente etabliert, die man gern in westlichen Märchen findet, wie gute Feen (Hexe), eine böse Hexe, einen „verwunschenen“ Prinzen (Haku) oder Naturgeister, wobei letztere in Form der Rußmännchen absoluten Kultstatus erreicht haben und unter anderem meine Brust als Tattoo zieren.

Auf der optischen Ebene beeindruckt Chihiros Reise ins Zauberland durch den zeitlosen Stil der Ghilbi Filme, wie ihn auch Prinzessin Mononoke, das Schloss im Himmel, das wandelnde Schloss oder mein Nachbar Totoro haben. Es ist dieser bestimmte Look, der Chihiros Reise ins Zauberland klar als Anime auszeichnet, sich aber keinem festen Genre zuschreiben lässt und auch nicht altert, ähnlich wie es bei anderen großen Anime Klassikern, beispielsweise Akira, der Fall ist. Die fehlende Nutzung von CGI tut dem Film sehr gut und zeigt, wie viel Detailliebe man in ein Werk stecken kann, das völlig per Hand gezeichnet wurde und solche Filme wesentlich langsamer altern, als die Genrekollegen mit CGI Techniken.

In diesem Zusammenhang imponieren auch viele der groß inszenierten Szenen, wie der Auftritt des Flussgottes, oder Hakus Kampf mit den Papiermännchen. Auch die Darstellung von Leben im Hintergrund, wie die Arbeiter des Badehauses, welche ihrer Arbeit nachgehen, oder die im Heizraum herumhuschenden Rußmännchen sind nur ein paar Beispiele für den gigantischen Detailreichtum des Films.

Aber nicht nur erzählerisch und optisch, sondern auch akustisch gefällt Chihiros Reise ins Zauberland. Der Soundtrack, komponiert von Joe Hisaishi, unterstreicht die unterschiedlichen Stimmungen des Films perfekt und fügt sich immer äußerst wohltuhend in jede Szene ein, was die Einprägsamkeit vieler Szenen nur noch weiter intensiviert. Man kann die hohe Qualität des Soundtracks auch damit beschreiben, dass man ihn ohne den Film hören kann und er trotz allem Bilder im Kopf erzeugt, seien es nun Erinnerungen zum Film, oder anderer Art.

Eine kleine Randnotiz ist die hochwertige deutsche Synchronisation von Chihiros Reise ins Zauberland, was bei den Produktionen dieses Studios jedoch absolut normal ist und quasi zur Standardausführung gehört.


Am Ende des Tages ist Chihiros Reise ins Zauberland ein zeitloser Anime und ein wunderschönes Märchen, welches von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen genossen werden kann, da der Film eine für alle Altersgruppen taugliche Geschichte über Liebe, Selbstfindung, Familie und den Glauben an sich selbst erzählt, diese jedoch mit zahlreichen Fantasy/Märchen/Mythologischen Elementen kombiniert, was schlussendlich zu einem harmonischen Gesamtbild führt. Ich kann diesen uneingeschränkt jedem empfehlen, der/die auch nur das leiseste Interesse an Zeichentrickfilmen hat.

Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit und hoffe, euch hat dieser Beitrag aus der Kultfilm-Reihe gefallen, welche nun (wirklich!) regelmäßiger folgen werden!

Wir lesen uns im nächsten Beitrag!


Danke an die Unterstützer & Patroni von DerStigler: Hexe, Pitter, MrKritzi, JamesVermont

Apocalypse Now (Redux Cut) | Gedankenspiel [Kultfilm #4]

Krieg … Krieg bleibt immer gleich.

Dieses Zitat stammt zwar nicht aus Apocalypse Now, sondern aus Fallout, aber es ist dennoch irgendwie passend und damit herzlich willkommen zur vierten Ausgabe von Kultfilm, dem Format in dem ich & Mara parallel einen Film, der das Prädikat Kultfilm verdient, vorstellen.


Die restlichen „Kultfilme“:


Dabei heben wir Stärken, Besonderheiten aber auch Schwächen der jeweiligen Filme hervor. Für den heutigen Film haben wir uns einen besonderen Vertreter des Anti-Kriegfilms ausgesucht. Apocalypse Now aus dem Jahr 1979 von Francis Ford Coppola. Der Film basiert dabei auf Coppolas Interpretation des Romans Herz der Finsternis von Joseph Conrad und den Vietnamkriegs-Reportagen An die Hölle verraten – Dispatches von Michael Herrs.

Worum gehts im Film mit dem eindrucksvollen Titel?


Benjamin Willard ist Mitglied einer amerikanischen Spezialeinheit und erhält den Auftrag, den abtrünnigen, angeblich verrückt gewordenen Colonel Walter Kurtz zu ermorden. Mit einem Patrouillenboot und einer kleinen Einheit begibt sich Willard auf eine Reise zu Kurtz’s Versteck im Dschungel von Kambodscha. Kurtz herrsch dort angeblich wie ein König über seine Anhänger.

Auf dieser Odyssee lernt Willard den Wahnsinn und die Widersprüchlichkeit in all seinen Facetten kennen.


Apocalypse Now lebt in erster Linie von den Dialogen und inneren Monologen der Figuren. Durch den Einblick in Willards Gedankenwelt wird die Grausamkeit des Krieges und Menschen dadurch verändert werden äußerst eindringlich widergespiegelt. Außerdem spielt der Verlust der Menschlichkeit wegen diesem schier endlosen Konflikt eine tragende Rolle. Dies sieht man besonders gut als die Truppe mit dem Boot eine umkämpfte Brücke sowie ein Lager, in einem desaströsen Zustand, passiert.

Ab einem gewissen Zeitpunkt gibt es keinen Platz mehr für Menschlichkeit. Dann übernehmen entweder animalischen Instinkte oder Katatonie tritt ein, die jegliche Regung (emotional wie physisch) unmöglich macht.

Durch den Fokus auf den Dialogen muss der Zuseher einiges an Sitzfleisch & Durchhaltevermögen mitbringen, besonders wenn man die Laufzeit des wesentlich umfangreicheren Redux Cut mit 202 Minuten bedenkt. Auch wenn man dies dem Film ankreiden kann so ist es dennoch faszinierend Captain Willard auf dieser Odyssey durch die Hölle zu begleiten, da es für den Zuseher ebenso zermürbend sein kann wie für den Protagonisten bis man endlich Colonel Kurtz erreicht nur um dann seine umfangreiche Sichtweise der Dinge zu verstehen. Es wird die völlige Sinnlosigkeit dieses Krieges dargestellt, der nicht zu gewinnen ist aber trotzdem nicht beendet werden kann aus geo-politischen Gründen und simplen Prestige für die Regierung.

Abseits davon ist es durchaus erwähnenswert, dass der Film nicht versucht die politische Seite des Vietnamkrieges, sondern die psychologische Seite zu beleuchtet. Dies wird besonders im Redux Cut ersichtlich, wenn wesentlich mehr Einblicke in die seelischen Abgründe der Figuren gewährt werden und der Krieg mit einer derart zwiespältigen Ästhetik und Faszination dargestellt wird, ohne ihn zu verherrlichen.


All diese Besonderheiten und Elemente würden ohne eine starke Besetzung nicht funktionieren und die schauen wir uns jetzt an. In den beiden „großen“ Hauptrollen sehen wir Martin Sheen als Erzähler/Captain Willard und Marlon Brando als Colonel Walter E. Kurtz. Während wir mit erstgenanntem die meiste Zeit verbringen und seine inneren Dialoge sowohl die Handlung als auch die menschlichen Abgründe kommentieren ist Kurtz für die Darstellung der Folgen des sinnbefreiten Krieges zuständig. In langen Dialogen, zwischen den beiden wird immer klarer welche tiefen Wunden hinterlassen werden und was der Krieg letztlich aus einem macht/machen kann.

Sehr gut sieht man dies auch an der Besetzung der Mannschaft des Patrouillenbootes. Über die gesamte Laufzeit hinweg stumpft die Truppe immer weiter ab und wird auch verkleinert.

Eine weitere interessante Figur ist Lieutenant Colonel Bill Kilgore, den der Krieg nicht zu brechen vermag. Dieser Charakter ist durch & durch Soldat, was man daran merkt dass der Krieg scheinbar keine Narben bei ihm hinterlässt, sondern mit vollem Herzen kämpft und davon überzeugt ist das richtige zu tun. Allerdings spiegelt dieser Charakter auch am besten den Wahnsinn sowie die Irrealismus des Krieges, da die Aktionen Kilgores zwischen nachvollziehbar und völlig Fahrlässig schwanken!


Da es schwer ist über diesen Film zu schreiben ohne zu spoilern möchte ich ein abschließendes Fazit ziehen. Apocalypse Now ist definitiv ein Highlight der New-Hollywood-Ära und hat den Titel Kultfilm definitiv verdient. Der Film schafft es so dermaßen gekonnt den Wahnsinn, die Folgen und die Grauen des Krieges so geschickt einzufangen/darzustellen wie kaum ein anderer Anti-Kriegsfilm. Dazu kommt eine grandiose, hochkarätige Besetzung, denen man ihre Rollen abkauft. Viele Filme können froh sein eine oder zwei gute Szenen zu haben aber Apocalypse Now ist voll mit diesen Szenen und der Redux Cut besticht durch mehr Szenen, die auf jeden Fall sehenswert sind um noch tiefer in den Film eintauchen zu können.

Wer noch nie etwas von diesem Film gehört hat muss das schleunigst nachholen, denn so einen Anti-Kriegsfilm wird mach sicherlich kein zweites mal erleben, obwohl es sehr viele gute Filme in diesem Genre gibt aber nur einen der so tief in dunkelsten Winkel der Seele vordringt …

Das Prädikat absolut sehenswert ist hier mehr als angebracht. Unterhalb habe ich auch den Beitrag von Mara verlinkt. Das wars von meiner Seite. Wir lesen uns im nächsten Beitrag!

The Big Lebowski | Gedankenspiel [Kultfilm #3]

Herzlich willkommen zur dritten Ausgabe meines Formats Kultfilm. Pro Ausgabe werden wir einen Film vorstellen, der in die Halle der Kultfilme aufgenommen wurde. Wer wir sind? Ich & und die liebe Mara aka Ainu89. Wie es im Titel steht widmen wir uns heute dem Big Lebowski von den Coen Brothers.


Die anderen Kultfilm Beiträge

DerStigler

Starship Troopers | Gedankenspiel [Kultfilm #1]

Akira | Gedankenspiel [Kultfilm #2]

Ainu89

Kultfilm #1: Starship Troopers

Kultfilme #2: Akira


Bevor ich mich auf den Film selbst stürze kommen ein paar harte Fakten. The Big Lebowski ist eine Filmkomödie aus dem Jahr 1998. Regie führten die Coen Brüder, die man von Filmen wie The Ballad of Buster Scruggs oder Fargo kennt.


Markant für den Film ist unter anderem die sehr starke Besetzung bestehend aus größeren wie kleineren Namen in Hollywood. Fast jeder Schauspieler der Besetzung besetzt gewaltigen Wiedererkennungswert und besonders Jeff Bridges in seiner Rolle als Dude ist legendär. Der potrauchende, sandalen- und bademanteltragende Dude mag zu Beginn wie ein Loser wirken, hat jedoch eine völlig unkoventionelle Sichtweise, die ihm viel Ärger einbringt aber auch durch so manche Situation hilft. An seiner Seite stehen seine Freunde Donny und Walter, gespielt von den großartigen Steve Buscemi und John Goodman. Besonders letzterer schafft es gekonnt einen militant-paranoiden Durchschnittstypen zu verkörpern. Dude und seinen Freunden ist eine Liebe zum Bowling gemeinsam, die die inszenatorisch stärksten Szenen des Films bildet aber dazu später mehr.

Allgemein lässt sich der Cast als groß und vielfältig beschreiben, vollgestopft mit markanten Figuren. Egal ob der Dude und seine Kumpane, die drei deutschen Nihilisten, der titelgebende Big Lebowski (ein millionenschwerer Unternehmer, der im Rollstuhl sitzt) oder die feministische Maude Lebowski. Dank der breiten Palette an faszinierenden und schillernden Persönlichkeiten bleibt jedem eine bestimmte Szene oder eine Figur im Gedächtnis hängen.


Okay jetzt wissen wir etwas über die Figuren aber worum geht es eigentlich in The Big Lebowski? Der Dude lebt ein gemütliches Leben, raucht Pott in der Badewanne, trägt gemütliche Klamotten, geht nicht arbeiten und spielt liebend gern Bowling. Eines Tages wird er zu Hause jedoch von zwei Schlägern attackiert, da seine Frau, die er nicht hat, weil der Dude ledig ist, massive Schulden hat. Im Zuge des „Besuchs“ uriniert einer der Schläger auf seinen Teppich. Darüber relativ erbost spricht der Dude beim „richtigen“ Mr. Lebowski vor, weil er Schadensersatz für den Teppich haben will (der hat das Zimmer erst richtig gemütlich gemacht).

Mr. Lebowski zeigt sich jedoch nicht einsichtig und schickt den Dude weg. Im Zuge dieses Treffens wird Bonny, die Frau von Mr. Lebowski entführt und der Dude landet in einer verworrenen Geschichte voller neuer Gesichter, offenen Fragen, skurrilen Situationen und dem zentralen Wunsch nach seinem Teppich.

Die Handlung des Films ist eine Hommage an die Film Noir Geschichten, die in den 40er Jahren angesiedelt sind und durch zahlreiche Wendungen, Elemente einer Kriminalgeschichte sowie dem Wechselspiel der Figuren brillieren.

Schnell ist die zentrale Prämisse etabliert, aber drum herum steht ein Rattenschwanz an Problemen.


Neben der Handlung und den Figuren trumpft The Big Lebowski mit einigen hervorragend inszenierten Szenen sowie einem grandiosen Soundtrack. Inszenatorisch sind die Traumsequenzen des Dude und die Zelebrierung des Bowling ein wahrer Augenschmaus. Hier steckt so viel Liebe & Herzblut in den Szenen, dass allein daraus ein eigener Film hätte gemacht werden können. Lange Aufnahmen, Zeitlupen und Fokussierungen auf sowohl die Spieler als auch den Sport selbst machen Szenen so wertig.

Die Traumsequenzen des Dudes glänzen mit einer ebenso hochwertigen Inszenierung als auch mit einer gesunden Portion Surrealismus.

Unterlegt wird der gesamte Film mit einem grandiosen Soundtrack, der perfekt den damaligen Zeitgeist einfängt, stimmig ist und sich, dem teils arg abgedrehten Setting perfekt anpasst.


Alles in allem ist The Big Lebowski ein hervorragender Film, der einfach zeitlos ist. Sowohl im Setting als auch in der Handlung der zugrunde liegenden Prämisse. Der Dude mag kein strahlender Held sein, ist jedoch äußerst sympathisch und dient beinah als universelle Identifikationsfigur. Die wesentlichen Stärken & Besonderheiten des Films habe ich bereits weiter oben beschrieben. Am Ende bleibt mir nur eine klare Empfehlung für diese zeitlose Komödie auszusprechen, die meiner Meinung nach zurecht als Kultfilm angesehen wird!

Das wars soweit von meiner Seite. Wir lesen uns im nächsten Beitrag!

Akira | Gedankenspiel [Kultfilm #2]

Herzlich willkommen zur zweiten Ausgabe meines Formats Kultfilm, in dem ich mich mit einem analytischen Blick auf Kultfilme stürze. Heute geht es um Akira. An dieser Stelle spreche ich eine Spoilerwarnung aus.

Die bisherigen Kultfilme:


Akira ist ein Animefilm aus dem Jahr 1988. Die Regie übernahm Katsuhiro Otomo, der auch für die Mangavorlage verantwortlich war. Der Film gilt weithin als Klassiker des Animes und hatte viel zur steigenden Popularität von Animes sowie Mangas in der westlichen Welt beigetragen.

Es gibt einige Aspekte, in denen der Film aus den Animes der heutigen Zeit heraussticht und bis heute erwähnenswert ist. Da hätten wir die Handlung die auf drei Ebenen erzählt welche im Laufe des Films zusammenlaufen aber unterschiedlich stark ausgeprägt werden. Man kann den Film in zwei Hälften teilen, wo alle drei Stränge präsent sind.

In der ersten Filmhälfte kommt das sogenannte „world building“ zum tragen. Dabei werden Szenen gezeigt, die mit der eigentlichen kaum etwas zu tun haben aber aufzeigen, wie diese dystopische Welt funktioniert. Daneben laufen die Stränge um Tetsuo und Kaneda, die beide Mitlgieder der gleichen Motoradgang sind. Tetsuo trifft beim Kampf mit einer rivalisierenden Gang einen kleinen sowie altaussehenden Mann der wiederum aus einem Militärlabor geflohen ist. Tetsuo und der Mann (Takashi) werden vom anrückenden Militär gefangen genommen, während Kaneda seinen Freund retten will.

In der zweiten Hälfte des Films wird das „world building“ nach hinten gerückt und die Tetsuo/Kaneda Stränge vertieft. Hier wird der Fokus besonders auf Tetsuo gelegt, der übermenschliche Fähigkeiten entwickelt, dabei jedoch seine Menschlichkeit nach und nach verliert. Sein Werdegang zum Superschurken wird immer wieder von Visionen und Albträumen begleitet, die den Verlust des Körpers beziehungsweise dessen groteske Veränderung thematisieren. Der Body-Horror wird als effektives Stilmittel genutzt und nimmt zum Schluss gigantische Ausmaße an!

Ein weiterer interessanter Handlungspunkt ist Akira. Es wird nie ganz klar wer oder was Akira ist, allerdings scheint Tetsuo zum nächsten Akira werden zu können. Ich vermute, dass Akira eine Art metaphysische Macht ist, denn Akira war für die Explosion in Tokyo 1988 (31 Jahre vor der Filmhandlung) verantwortlich, was wiederum zum dritten Weltkrieg und der Wiedergeburt von Tokio als Neo-Tokyo geführt hat. Das Erscheinen von Tetsuo, der seine Mächte entwickelt, deuten auf eine Rückkehr Akiras und der erneuten Zerstörung sowie Wiederauferstehung Neo-Tokios hin.

Schließlich sieht ein Teil der Bevölkerung des Molochs Neo-Tokyo in Akira eine Art Gott beziehungsweise Heilsbringer, während die großteils korrupte Regierung in Akira (Tetsuo) ein gescheitertes Experiment sieht. Diese Gegensätzlichkeit und Vielschichtigkeit lädt zu reichhalten Spekulationen sowie Diskussionen über die Handlung des Films ein.

Abseits des komplexen Konstrukts der Handlung zeichnet sich Akira durch eine hochwertige Qualität in puncto Animation aus. Statt dem günstigeren Light Animation Verfahrens, wo nur wenige Teile des Bildes animiert sind und Animationsfolien wiederverwendet werden, fanden bei der Produktion von Akira knapp 160 000 Folien Verwendung. Das macht sich in einer deutlich höheren Animationsqualität, als bei anderen zeitgenössischen Werken, bemerkbar.

Ebenso ist der Soundtrack sehr faszinierend und besonders prägend für diesen Film. Neben der Nutzung klassischer Stücke arbeitet Akira mit einem Chor, was bildgewaltige Szenen besonders episch und imposant unterlegt. Der Soundtrack macht sich selbst noch eindrucksvoller, da an gewissen Punkten sämtliche Geräusche verstummen und die dann einsetzende Musik den Zuseher fast erschlägt.

Nutzen Science-Fiction-Filme in der Regel elektronische Musik um actionreiche Szenen zu unterstreichen kommen in Akira neben den Chören und einer Mischung aus europäischer, asiatischer sowie afrikanischer Musik eine markante Trommelmelodie zu Einsatz. Dieses Thema, bestehend aus einem schnellen Trommelrhythmus wird extrem eigentümlich im Kontext des Films, unterstreicht aber auch gleichzeitig die Besonderheit von Akira.


Lasst mich zusammenfassen. Akira gehört zu den wohl wichtigsten Animationsfilmen, die es gibt und besticht durch eine Vielzahl an Themen, Interpretationsmöglichkeiten und Stilmitteln. Wer ein Fan von Animes beziehungsweise Animationsfilmen ist, muss Akira definitiv gesehen haben, gleiches gilt auch für Fans von dystopischen Zukunftsvisionen. Dieser Beitrag soll auch nur als grober Überblick dienen, da dieser Film bedeutend mehr zu bieten hat als nur die Aspekte, die ihn für mich so besonders machen.

Ich werde mir wohl in den nächsten Monaten den Manga Akira zu Gemüte führen, da die Vorlage noch um ein vielfaches komplexer ausfallen soll.

Das wars von meiner Seite. Wir lesen uns im nächsten Beitrag!

Starship Troopers | Gedankenspiel [Kultfilm #1]

Es gibt Filme, die sich nicht für eine normale Rezension. Daher ich meine neue Rubrik „Kultfilme“ ins Leben gerufen, wo einmal im Monat ein Film vorgestellt wird der meiner Meinung nach einen besonderen Platz in der Filmwelt verdient hat.

Es gibt Filme, die sich nicht für eine normale Rezension eignen. Daher habe ich meine neue Rubrik „Kultfilme“ ins Leben gerufen, wo einmal im Monat ein Film vorgestellt wird, der meiner Meinung nach einen besonderen Platz in der Filmwelt verdient hat. Das bedeutet, ihr werdet monatlich einen Beitrag zu einem Kultfilm auf meinem finden, in dem ich auf die jeweiligen Stärken, Besonderheiten und eventuellen Schwächen eingehen werden.

Den Anfang für dieses Format macht der Military-Science-Fictionfilm Starship Troopers, der 1997 unter der Regie von Paul Verhoeven entstanden ist und auf dem gleichnamigen Roman von Robert A. Heinlein basiert.

An dieser Stelle spreche ich eine kleine Spoilerwarnung aus.


Starship Troppers schildert die militärische Laufbahn des Protagonisten Johnny Rico (Casper Van Dien) im Hauptstrang und behandelt die Werdegänge seiner Schulkameraden Carmen (Denise Richards), Dizzy (Dina Meyer) und Carl (Neil Patrick Harris) beim Militär in den Nebensträngen.

Der Rahmenhandlung geht ein Krieg mit Arachnodien Aliens, genannt Bugs, voraus in dessen Verlauf sich die Menschheit hinter einer großen Weltregierung versammelt hat.

Im Zuge der militärischen Ausbildung der Protagonisten erlebt der Zuseher sowohl die Höhen als auch die Tiefen des Werdegangs der Figuren sowie deren Entwicklung. Nach einem verheerenden Angriff der Bugs auf die Erde beginnt die Weltregierung mit einem Gegenschlag auf die Welt der Bugs.

Der Film selbst endet mit keinem Endsieg der Menschen, sondern erweckt den Eindruck einer Episode in einem langen Krieg.

Was mir an Starship Troopers schon immer gefallen hat, war die Überstilisierung des Militärs, was von vielen Menschen falsch ausgelegt wird. Die Intension des Regisseurs Paul Verhoeven ist keine Verherrlichung des Militärs, sondern eine Kritik am Hurra-Patriotismus (Kriegseuphorie), wie ihn das US-Außenministerium betrieben hat, sowie dem sogenannten militärisch-industriellen Komplex. Dadurch entsteht subversiver Humor, der zugegebener Maßen nicht leicht zu verstehen ist aber bei aufmerksamem Zusehen erkannt werden kann.

Abseits der politischen Kritik und der interessanten Handlung hat Starship Troopers weitere Stärken. So ist das Design der Bugs äußerst ausgefallen und erinnert nur entfernt an eine Lebensform der Erde. Trotz des Alters von über 20 Jahren können sich die Bugs immer noch sehen lassen ohne das der Zuseher an plötzlichem Augenbluten erkrankt. Das ist insofern überraschend, weil viele Filme in den späten 90er Jahren nicht wussten, wie man CGI richtig einsetzt. Hier sei erwähnt, dass die Bugs im Film wenig Gemeinsamkeiten mit den Aliens der Romanvorlage haben. Werden die Aliens im Roman als weder humanoid noch als human beschrieben, ähneln sie im Film einer Horde riesiger Killerinsekten, was aber definitiv ikonischer wirkt.

Es gibt generell einige Unterschiede zwischen der Romanvorlage und dem Film aber eine genaue Aufzählung würde den Rahmen sprengen.

Was ich aber erwähnen muss, sind die Unterschiede zwischen der Deutschen und der englischen Fassung. So geht beispielsweise der wichtige Unterschied zwischen Citizen (Bürger; der den Militärdienst geleistet hat und zahlreiche Privilegien genießt) und Civilian (Zivilist; hat nicht gedient) fast völlig unter.

Außerdem wird eine Passage aus einer Unterrichtsstunde, die sich kritisch mit dem Sozialismus und der Demokratie auseinandersetzt, abgeändert.

Original

“This year we explored the failure of democracy, how the social scientists brought our world to the brink of chaos. We talked about the veterans, how they took control and imposed the stability that has lasted for generations since.”

„Dieses Jahr erforschten wir das Scheitern der Demokratie, wie die Sozialwissenschaftler unsere Welt an den Rand des Chaos brachten. Wir sprachen über die Veteranen, wie sie die Kontrolle übernahmen und die Stabilität erzwangen, die mittlerweile seit Generationen anhält.“

Abgeänderte Version:

„Unser Thema war dieses Jahr die politische Entwicklung seit der Jahrtausendwende, und wie Außerirdische diese Entwicklung beeinflusst haben. Wir sprachen über die Bugs, wie sie die Erde angriffen und Tausenden unserer Vorfahren den Tod brachten.“


Ich halte Starship Troopers für einen faszinierenden und absolut sehenswerten Vertreter des Military-Science-Fiction Genres, der leider zu oft missverstanden wurde aber aufgrund der oben genannten Eigenschaften einen festen Platz in den Reihen der Kultfilme verdient.

Das wars von meiner Seite. Wir lesen uns im nächsten Beitrag!

Escape from New York/Die Klapperschlange | Review [Texte aus dem Archiv]

Es wird wieder Zeit, einen unveröffentlichten Beitrag aus meinen großen Archiv ans Tageslicht zu befördern. Heute geht es um die Review zum Klassiker Escape from New York, oder auch die Klapperschlange. Viel Spaß!

Ich liebe dystopische Zukunftsvisionen, egal ob in Litertaur, Film oder in Videospielen. Eine düstere Zukunft kann mich immer begeistern. Somit hat John Carpenters „Die Klapperschlange“ von 1981 gute Chancen, um mir zu gefallen, oder? Finden wir es heraus!


Wir schreiben das futuristische Jahr 1997. In den 1980er Jahren nahm die Kriminalität immer weiter zu. 1988 wurde schließlich ganz Manhatten aufgegeben und in ein Hochsicherheitsgefängnis verwandelt.

Irgendwie ist es ulkig, im Jahr 2017 alte Zukunftsvisionen zu sehen, die nie eingetroffen sind. Zumindest die Alien Filme haben noch eine Chance, wahr zu werden.

Nun zurück ins Jahr 1997. Die Airforce One wurde mitsamt dem Präsidenten entführt. Das Staatsoberhaupt der USA kann sich mit einer Rettungskapsel absetzen, tut dies jedoch über dem Hochsicherheitsgefängnis.

Zur gleichen Zeit erhält der Sträfling & Ex-Elite Soldat Snake Plissken (Kurt Russel) folgendes Angebot:

Wenn er den Präsidenten mitsamt einer Audiokasette rettet, bekommt er seine Freiheit zurück. Widerwillig nimmt Snake den Auftrag an und begibt sich ins Gefängnis.

Um das Ganze noch spannender zu machen, bleiben Snake nur 22 Stunden, um den Präsidenten zu retten. Um die Geschichte auf die Spitze zu treiben, bekam er zwei kleine Bomben eingesetzt, was seine Loyalität garantieren sollte.

Die Geschichte ist im Kern simpel, wird aber spannend erzählt, lebt von seiner Atmosphäre und wird von den grandiosen Schauspielern perfekt inszeniert. Neben Kurt Russel, der wieder mal bewiesen hat, dass er ein hervorragender Schauspieler ist, sind Lee Van Cleef, Donald Pleasence, Harold Dean Stanton und Ernest Borgnine in gut geschriebenen Rollen zu sehen.


Die düstere & äußerst bedrückende Atmosphäre ensteht einerseits durch die hervorragende Kulisse, alles wirkt dreckig, wild & bedrohlich und andererseits durch den Soundtrack. John Carpenter weiß immer einen guten ikonischen Soundtrack zu schreiben und dunkle elektronische Musik geht immer.

Die wortkargen Schauspieler tragen ebenfalls viel zur Stimmung bei. Viel wird durch Mimik & Gestik gemacht. Dialoge sind selten und wenn dann äußerst zweckdienlich. Mit Snake wurde ein ernster Held, der jedoch, im Vergleich zu seinen Genrekollegen, nicht 2 Millionen Menschen tötet, sondern leidet, schwitzt & dreckig wird. Kurzum er ist ein glaubhafter Held, der nicht unbesiegbar ist.

Zur deutschen Lokalisierung kann man nur sagen, dass sie dem Standard der damaligen Zeit entspricht. Die Sprecher machen eine gute Arbeit, aber niemand besonders herausragend.


Zusammengefasst ist Escape from New York ein unterhaltsamer Actionfilm, der gerade Fans des 80er Jahre Kinos anspricht. Ein Held mit stoischer Miene, Action, die dennoch auf dem Boden bleibt und ein hervorragender Soundtrack sorgen für vergnügliche 99 Minuten. Altmeister John Carpenter hat mal wieder gute Arbeit geleistet.

Das wars von meiner Seite. Wir lesen uns im nächsten Beitrag!

Tanz der Teufel/Evil Dead (1981) | Review

Ich mag das Evil Dead Franchise sehr gern. Diese Reihe an Horrorfilmen ist eher ungewöhnlich, was die Stilmittel angeht und hat bis heute etwas einzigartiges um aus der breiten Masse herauszustechen. Die TV-Serie Ash vs. Evil Dead schwankt qualitativ sehr stark ist aber einen Blick wert.


Tanz der Teufel ist ein experimenteller Horrorfilm von Sam Raimi der trotz zahlreicher B-Movie Merkmale, wie dem geringen Budget oder den unbekannten Schauspielern, viele Besonderheiten auf die ihn bis heute einzigartig machen unter den Horrorfilmen der 80er.
Bevor ich mit den Besonderheiten beginne, hier noch ein paar Worte zur Handlung. Eine Gruppe junger Leute fährt zu einer abgelegenen Hütte in den Wäldern. Im Keller dieser schaurigen & heruntergekommenen Hütte entdeckt die Gruppe ein Tonbandgerät, einen Dolch und ein seltsames Buch. Als das Tonband abgespielt wird bricht die Hölle los und Ashley (Bruce Campell) „Ash“ nimmt den Kampf gegen die beschworenen Dämonen auf.


Trotz der kostengünstigen Produktion & der eher simplen Geschichte verfügt Tanz der Teufel über eine dichte, atmosphärische Machart. In der ersten Hälfte des Films wird eine bedrückende Szene aufgebaut. Durch die verschiedenen Kamerawinkel, in denen die Hütte präsentiert wird, entsteht bereits der Eindruck, dass hier etwas ganz & gar nicht stimmt.
Ab der zweiten Hälfte gibt es Reminiszenzen, die an klassische Horrorfilme aus den 60ern erinnern, wie etwa den ständig umherwabernden Nebel. Dazu kommt die sogenannte Shakycam. Bei dieser stilbildenden Methode wird eine Kamera auf ein Brett geschnallt und von zwei Personen durch den Wald getragen. Dadurch sind zum einen surreale Kamerafahrten möglich und unterlegt mit unheimlichen, schrägen Tönen in manipulierter Abspielgeschwindigkeit sind einzigartige Eindrücke möglich. Alleine durch diese Kamerafahrten sticht Tanz der Teufel aus der Masse an Horrorfilmen heraus.
Neben der Shakycam verfügt Tanz der Teufel über eine beeindruckende und äußerst ekelhafte Maske. Man sieht nie die Dämonen selbst nur das Ergebnis, wenn sie von den Menschen besitz ergreifen. Für 1981 sieht das unfassbar grausig aus. Dazu kommt der schleichende Horror. Die groteske Note nimmt langsam aber sicher zu, bis die Grenzen zwischen Realität & Surrealität endgültig verschwimmen.


Zusammengefasst verbirgt sich hinter der billigen Fassade von Tanz der Teufel ein stilbildender Horrorfilm mit einer dichten & atmosphärischen Machart. Viele Elemente, wie die Shakycam, sind ein Markenzeichen des Evil Dead Franchise geworden und machen besonders diesen Film bis heute sehenswert.
Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit. Wir lesen uns beim nächsten Mal!