Was Tywin Lannister mit Machiavelli zu tun hat … | Gedankenspiel

Da ich das Thema Machiavelli mit dem Tywin-Posting bereits schon einmal kurz angeschnitten habe, möchte ich es nun weiter ausführen.

Autor: Christian Bauer

Da ich das Thema Machiavelli mit dem Tywin-Posting bereits schon einmal kurz angeschnitten habe, möchte ich es nun weiter ausführen.

Zunächst kurz über den Autor. Niccolò di Bernardo dei Machiavelli wurde am 3. Mai 1469 in Florenz geboren. Man kann ihn in seiner Arbeit vielseitig bezeichnen. Er war Philosoph, Politiker, Diplomat, Chronist, Dichter und Schriftsteller gleichermaßen, doch das, was von ihm am eindrucksvollsten erhalten geblieben ist, ist das Konzept eines Leaders bzw. die Art und Weise zu führen.

Ebenso beschäftigte er sich im „Fürsten“(il principe) mit der Verhandlungsführung, Eroberung und Haltung von Gebieten, wobei vor allem die Berücksichtigung der Sitten und Gebräuche der ansässigen Bevölkerung eine Rolle spielte.

Machiavelli sagt man des öfteren nach, er stünde für rücksichtslose Machtpolitik unter Ausnutzung aller Mittel, doch ist dies lediglich die halbe Wahrheit, vor allem wenn man die Discorsi „Gedanken über Politik und Staatsführung“ bedenkt.

Hier sprach er eindeutig von der Verantwortung des Fürsten, sowie das Verbot von Grausamkeit ohne Grundlage, oder Bereicherung am Vermögen seiner Leute. Zudem sollte die Bevölkerung auch die Möglichkeit haben, bei Verstoß diesen abzusetzen.

Dies brachte ihm die Verbannung aus Florenz durch die Medici.

Was Machiavelli des öfteren den Ruf als rücksichtslosen Machtpolitiker brachte, waren vor allem auch die Moral-, Tugend- und Sittenwächter der Kirche im Rahmen der Gesinnungsethik, wo es weniger um das Ergebnis bzw. das Prinzip Ursache Wirkung ging, sondern das Verhalten nach moralisch ethischen Lehrsätzen auszurichten.

Verantwortungsethik, wie sie Machiavelli so wie kaum ein anderer prägte und in seinen Werken beschrieb, bezeichnet schlicht das Handeln nach rein rationalen Gesichtspunkten mit Blick auf ein zu erreichendes Ergebnis.

Kurzum man darf auch mal grausam, oder unehrenhaft handeln, sofern das zu erwartende Ergebnis als Konsequenz besser oder gelinder ausfällt, als wenn sich an die üblichen moralischen Grund- und Sollensätze einer Gesellschaft hält.

Das Musterbeispiell hierfür ist die von Tywin Lennister eingefädelte „Rote Hochzeit“…

Die Schwäche der Machiavellaner, als welchen ich Tywin beschreiben möchte, ist jedoch nicht selten, dass ihnen schwer zugängliche Gefühle als Grundlage der Entscheidung anderer kaum nachvollziehbar erscheinen, weshalb sie darauf fußende Handlungen nicht vorher zu sehen wissen.

Tywin glaubte nicht, dass Tyrion ihn wegen einer Hure töten würde, trotz der Warnung selbigens und es ist passiert. Menschen handeln oft nicht nach logischen Gesichtspunkten…

Ich hoffe, euch hat mein kleiner Exkurs in die Welt Machiavellis, sowie das Beispiel aus GoT zur Verdeutlichung seiner Gedanken gefallen. Zudem würde ich mich auf eure Kommentare freuen.


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Selbst wenn ich Charakter für die ersten drei Plätze benennen müsste, würde mir immer nur 1 Name einfallen, Tywin, Tywin und nochmal Tywin Lennister…

Autor: Christian Bauer

Selbst wenn ich Charaktere für die ersten drei Plätze benennen müsste, würde mir immer nur 1 Name einfallen, Tywin, Tywin und nochmal Tywin Lennister…

Wie viele Charaktere, die gefielen, starb Tywin viel zu früh am Ende der 4. Staffel, ironischerweise am WC durch die Hand des ungeliebten Sohnes Tyrion.

Natürlich stellt sich so manchem die Frage, warum dieser alte zynische Greis, der scheinbar nach dem Motto, der Zweck heiligt die Mittel, sogar die „rote Hochzeit“ einfädelte, um seinen Feind in einer Phase der Schwäche endgültig zu vernichten…?

Warum nicht Tyrion, der in rührselig anmutender Art und Weise Anteil an Sansas Leid nahm und dem Vater seine moralisch, „ritterlichen“ Bedenken nannte…?

Eben der Reaktion Tywins wegen, der nicht nur die Notwendigkeit sah, gegenüber dem Norden Stärke zu zeigen, sodass er nicht wagen würde, nochmal gegen Haus Lennister aufzubegehren, sondern auch die unzähligen Leben der Soldaten schonen wollte.

Was ist ehrenvoller? Ein paar Köpfe bei einer „Hochzeit“ abzutrennen, oder dies im Zuge vieler weiterer Schlachten mit unzähligen Toten zu tun?

Nicht nur in dieser Situation zeigt sich, dass Tywin als Idealbild eines Fürsten den Unterschied zwischen Gesinnungsethik und Verantwortungsethik(später im Machiavelli-Beiträg, den ich euch ankündigen darf) nicht nur kannte, sondern auch verstand.

Das war Tür Nummer 10. Wir lesen uns morgen wieder, wenn es etwas japanischer wird!